Kühe

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Das Leben unserer Kühe

Damit eine Kuh Milch geben kann, muss sie alle 1,1 Jahre ein Kalb zur Welt bringen. Dies geschieht ein einem speziellen Bereich, in dem die Kuh auf Stroh gehalten wird. Die meisten unserer Kühe bekommen die Kälber ohne Betreuung. Unsere Mitarbeiter unterstützen den Geburtsvorgang nur, wenn Probleme bei der Kalbung auftreten. Nach der Geburt wird die Kuh mit einem Energiedrink und Calcium versorgt, um eine schnelle Regeneration sicherzustellen.
Das Kalb hat direkt nach der Geburt kaum Abwehrkräfte und ist wie ein Baby sehr anfällig gegenüber Krankheitserregern. Aus diesem Grund kommt es nach der Geburt in eine Einzelbox mit einer Wärmelampe, der Nabel wird desinfiziert und es bekommt in den ersten 2 Stunden 3 – 4 Liter Milch von der Mutterkuh. Diese Milch, das Kolostrum ist besonders wichtig um die natürliche Abwehrfähigkeit des Kalbes direkt nach der Geburt zu fördern.

In den kommenden zwei Wochen bleibt das Kalb in der Einzelbox und bekommt mehrmals täglich Milch. Nach zwei Wochen werden unsere männlichen Kälber verkauft. Sie kommen auf einen spezialisierten Bullenmastbetrieb.

kuh1Die weiblichen Kälber bleiben bei uns und kommen nach zwei Wochen in eine Gruppenbox mit einem Kälberautomat. Dieser Automat ermöglicht den Kälbern den ganzen Tag frische Milch zu trinken und hilft uns bei der Gesundheitsüberwachung der Kälber. Die Tiere haben in dieser Box auch das erste Mal Zugang zu Kraftfutter und Heu. Diese Futtermittel sind für Kälber besonders wichtig, um das Magensystem eines Wiederkäuers auszubilden. In dieser Zeit werden die Kälber enthornt, dabei bekommen die Tiere ein Schmerzmittel und werden ruhig gestellt. Das bis dahin noch kleine Horn wird mit einem Brennstab entfernt.

Foto-91Das Enthornen der Kühe ist aus mehreren Gründen unerlässlich. Zum einen schützt es die Kühe bei Rangkämpfen, die in jeder Herde geführt werden. Zum anderen schützt es uns Menschen. Kühe sind sehr friedliche Tiere aber durch Unachtsamkeit oder auch im Spiel kann eine Kuh den Menschen ungewollt verletzen. Wenn dann eine 650 kg schwere Kuh Hörner hat kann dies lebensgefährlich werden.
Nach knapp drei Monaten werden die Kälber von der Milch abgesetzt und bekommen eine Mischung aus Grasssilage, Maissilage, Stroh und verschiedenen Kraftfutterkomponenten. Diese Mischung bekommen die Rinder mindestens bis zu einem Alter von 15 Monaten. Wenn sie groß genug sind und Anzeichen der Brunst zeigen, werden sie von unseren Mitarbeitern besamt. Dabei greift man in den After der Kuh um den Gebärmutterhals zu fassen, mit der anderen Hand schiebt man ein Röhrchen mit dem Sperma in die Scheide und versucht es am Ende des Gebärmutterhalses abzulegen. Die künstliche Besamung ermöglicht uns, für jede Kuh einen perfekten Vater auszusuchen, was den Vorteil hat, dass der Umgang mit Bullen entfällt. Bullen entwickeln nach einiger Zeit einen Schutzinstinkt für ihre Herde und machen die Arbeit mit ihnen gefährlich.

Foto-11Nach einigen Wochen wird die Kuh dem Tierarzt für eine Trächtigkeitsuntersuchung vorgestellt. Wenn sie tragend ist, kommt sie in einen speziellen Bereich für tragende Tiere. Wenn nicht wird sie bei der nächsten Brunst (etwa 21 Tagespäter) wieder besamt.

Zwei Wochen vor der Kalbung kommt die Färse (junge Kuh vor der ersten Abkalbung) in den Wellnessbereich, der mit Stroh eingestreut ist.

Nach der Kalbung kommt die Färse in einen Strohbereich in der Nähe des Melkstandes, dort wird an den ersten sieben Tagen Fieber gemessen und nach zehn Tagen eine Blutprobe entnommen um zu kontrollieren, ob die Kuh Stoffwechselprobleme hat. Die ersten 14 Tage nach der Geburt sind für eine Kuh sehr stressig, sie ist noch erschöpft von der Geburt und der Körper muss sich wieder an die Phase der Milchabgabe gewöhnen. Aus diesem Grund stehen die Kühe unter besonderer Beobachtung und wir tun alles dafür die Tiere in dieser Phase bestens zu unterstützen.

Foto13_kuh_mit_buersteDanach wird die Kuh in eine von vier Gruppen im Stall gebracht. Die Fütterung dieser Gruppen ist speziell auf die Milchleistung der Kühe abgestimmt. Dort haben die Kühe die Möglichkeit sich frei zu bewegen, es stehen Tränken, Kratzbürsten und Liegeplätze zur Verfügung. Die Liegeflächen sind mit dem getrocknetem Gärsubstart eingestreut.

80 – 100 Tage nach der Kalbung sollte die Kuh wieder besamt werden, somit ist ein natürlicher Zeitraum zwischen den Kälbern gegeben. Ist eine Kuh tragend, wird sie sechs Wochen vor den Abkalbetermin „trocken gestellt“.

Dies bedeutet, die Kuh wird nicht mehr gemolken und ihre Zitzen bekommen einen Schutzfilm gegen eindringende Keime. Dann kommt die Kuh in die Trockenstehergruppe, die eine spezielle Fütterung erhält damit die Tiere sich in Ruhe auf die nächste Laktation (Zeitraum in der die Kuh Milch gibt) vorbereiten können.

Dieser Kreislauf wiederholt sich immer wieder, vorausgesetzt eine Kuh wird nicht krank oder nicht tragend. Wird eine Kuh nicht wieder schwanger, wird sie solange gemolken, bis die Milchleistung unter eine Rentabilitätsgrenze sinkt, dann müssen wir diese Tiere an einen Schlachter verkaufen.

Wird eine Kuh krank, wird diese von uns und dem Tierarzt untersucht und individuell behandelt. Typische Krankheiten sind bei Kühen z.B. Euterentzündung und Ketose. Eine Euterentzündung kann sehr schmerzhaft werden und tritt durch verschiedene Erreger wie Coli und Staph aureus auf. Hat eine Kuh Anzeichen einer solchen Krankheit, wird die Milch von uns bakteriologisch untersucht und die Kuh wenn nötig behandelt. Die Behandlung erfolgt bei Bedarf auch mit Antibiotika, diese Tiere werden mit zwei roten Bändern gekennzeichnet. Während der Behandlung wird die gemolkene Milch des betroffenen Tieres verworfen und erst nach einem Test, der nachweist, das keine Spuren von Antibiotika in der Milch sind, wieder zum Verkauf freigegeben.

Die Ketose ist eine Stoffwechselerkrankung und tritt häufig am Anfang einer Laktation auf. Es handelt sich hierbei um einen Energiemangel, der Auftritt, da die Kuh nach der Geburt mehr Energie aufbraucht als sie aufnehmen kann. Eine Ketose wird durch uns mit Energiedrinks und in Ausnahmefällen auch mit Medikamenten behandelt. Bei Medikamentenbehandlung wird diese Milch verworfen.

Unser Ziel ist es, die Kühe so tiergerecht und optimal wie möglich zu halten. Nur eine Kuh die optimale Lebensbedingungen, qualitativ hochwertiges Futter und einen ruhigen Umgang genießt, kann Leistung bringen. Heute richtet die Landwirtschaft die Züchtung der Kühe nicht auf reine Hochleistung aus; ein moderner Landwirt achtet auf gesunde Kühe mit einer hohen Lebensleistung. Unsere Kühe sollen ein langes und erfolgreiches Leben genießen. Um das zu erreichen, geben die Mitarbeiter des Friedrichshofs täglich überdurchschnittliche Leistungen damit die Kühe jeden Tag genießen können.

Was frisst eine Kuh am Tag:

Die Fütterung unserer Kühe ist genau auf den Nährstoffbedarf einer Kuh in ihrem jeweiligen Stadium (Hochschwanger, nicht Schwanger …) abgestimmt. Ein Beispiel einer täglichen Ration finden Sie hier.

Maissilage = 24 kg

Grassilage = 18 kg

Rübenpressschnitzel = 14 kg

Weizenstroh = 0,8 kg

Sojaschrot = 0,5 kg

Rapsschrot = 3,5 kg

Mineralfutter = 0,12 kg

Viehsalz = 0,03 kg

Kalziummineral = 0,08 kg

Eine Kuh trinkt am Tag 100 bis 150 Liter Wasser und liegt bis zu 12h in ihrer Liegebox, um zu schlafen oder wiederzukäuen.

Hat ein großer Betrieb Vorteile für das Tier?

Grundsätzlich können große und kleine Betriebe für ein Tier das Beste bieten. Der große Betrieb hat jedoch den Vorteil, dass im Betrieb mehrere Spezialisten arbeiten, die besonders gute Kenntnisse der Tierhaltung haben. Dies führt zu einer großen Menge an Spezialwissen, auf die das Team unseres Betriebes zurückgreifen kann.

Ist Weidehaltung für Kühe besser als Stallhaltung?

Beides hat Vor- und Nachteile, der Weidegang bringt Vorteile für die Klauen der Kuh, die Kuh hat meistens mehr Platz als im Stall und kann sich etwas freier Bewegen. Die Luftqualität ist ebenfalls etwas besser als in den Ställen.

Die Nachteile der Weidehaltung sind jedoch nicht zu unterschätzen, so ist die Futterqualität stark schwankend und kann bei der Kuh Stoffwechselprobleme verursachen. Auf der Weide gibt es neben Fliegen und Zecken noch viele weitere Parasiten wie Leberegel oder Bandwürmer. In den letzten Jahren trat vermehrt das Schmallenberg Virus (wird durch Gnitzen übertragen) auf, welches zu Fehlgeburten und missgebildeten Kälbern führt. In unserem Betrieb stieg die Sterblichkeit der Kälber aufgrund dessen kurzfristig um fünf Prozent an.

Gibt es keinen Schatten auf der Weide, leidet die Kuh sehr schnell unter Hitzestress, denn Kühe haben ein wohfühltemperatur von ca. 10 C° ( Mensch 18 C°).

In der Stallhaltung versuchen wir den Kühen den optimalen Komfort zu bieten, damit uns die Kuh mit ihrer Gesundheit und ihrer Milch belohnt. So achten wir auf optimales Klima, weiche und trockene Liegeflächen, perfekt abgestimmte Fütterung und bekämpfen Fliegen und andere Parasiten, die der Kuh lästig sind.